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» Diagnose

Die bautechnische Zuordnung von Giebelwänden an der Abbruchgrenze ist allein durch augenscheinliche Betrachtung nur schwer mit der erforderlichen Sicherheit erkennbar. Deshalb soll im folgenden Abschnitt auf verschiedene typische Verflechtungen und eine einfache Systematik zur Erkennung hingewiesen werden.

Grundsätzlich ist zu unterscheiden, ob es sich um eine oder zwei aneinandergrenzende Wände handelt. Dabei sollten Erfahrungen über heute übliche Wandstärkenabstufungen in den Hintergrund gestellt werden. Verwertbar sind nur zweifelsfreie Messwerte und Beobachtungen. Alle anderen Hinweise lassen keine Interpretation zu. Die Gesamtwandstärke, die sich in den einzelnen Geschossen auf einfache Weise durch Messung aus den Fenstern bestimmen lässt, ist ein eindeutiger Messwert. Zur Bestimmung der Zweischaligkeit ist er allein jedoch noch nicht aussagefähig.

Wandstärke - 1 oder 2 Wände?
Abb. Bild 1: Wandstärke - 1 oder 2 Wände?

Im Beispiel aus Abb. Bild 1 wurde in leichter Hanglage ein Haus B an ein vorhandenes Haus A stumpf angesetzt. Der störende Absatz im Erdgeschoss wurde durch eine 12er Aufmauerung ausgeglichen. Inklusive Mörtelfuge ergibt sich eine Gesamtwandstärke von 78 – 80 cm. Der mögliche Rückschluss auf zwei 38er Giebelwände hätte bei einem geplanten Abbruch von Haus A für Haus B fatale Folgen. Daher sollte bei Vermutung zweier Wände eine eindeutige Trennfuge zwischen beiden Gebäuden gesucht werden. Bis zu dieser Fuge kann die jeweilige Stärke der Einzelschalen durch Messen bestimmt werden. Diese Fugen sind erfahrungsgemäß eher auf der Gebäuderückseite sichtbar. Auf der Straßenseite sind solche Fugen störend für die Ansicht und wurden daher bewusst verdeckt.

Anordnung Gebäudetrennfuge
Abb. Bild 2: - Anordnung Gebäudetrennfuge

Fugen können auch durch nachträgliche Verkleidungen oder neuen Verputz unsichtbar sein. Sollte bei entsprechend großer Gesamtwandstärke die Vermutung zweier eigenständiger Giebelwände bestehen, kann im Abbruchgiebel eine Öffnung zum Auffinden der Trennfuge hergestellt werden. Die Tiefe der Öffnung sollte zur Vermeidung von Schäden bis maximal zu einer Restwandstärke von 25 cm geführt werden. Geringere Wandstärken auf der verbleibenden Seite ergeben ohnehin keine ausreichend standsichere Außenwand. In diesen Fällen ist die Giebelwand des Abbruchgebäudes zu erhalten und mit dem benachbarten Haus zu verbinden.

Die Wandquerschnitte sind stark von der Gebäudehöhe und den zur Anwendung gebrachten Baumaterialien abhängig. Beispielsweise kann ein zweigeschossiges Fachwerkhaus im EG eine 70 cm starke Bruchsteinwand besitzen, auf die ein 20 cm starker Fachwerkgiebel aufgesetzt wurde. Daher ist bei Untersuchungen zum Wandaufbau ebenso Augenmerk auf die vorhandenen Baustoffe zu legen. Ebenso wichtig sind später vorgenommene Umbauten. Hier können vorhandene Bauakten wichtige Hinweise liefern. Denn auch die Feststellung, dass jedes Gebäude an der Abbruchgrenze eine eigene Giebelwand besitzt, lässt nicht zwangsläufig den Schluss zu, dass diese nach der Abbruchmaßnahme auch standsicher ist. Besonders Auswechslungen an Decken und im Dachtragwerk haben oft die ersatzlose Kappung vorhandener Anker zu Folge. Im Zweifelsfall sind zusätzliche Sicherungsmaßnahmen erforderlich.

Haben die ersten Untersuchungen eine gemeinsam genutzte Brandwand ergeben, stellt sich die Frage nach ihrer bautechnischen Zuordnung. Auch hierzu können einfache Methoden entsprechende Erkenntnisse liefern. Der Untersuchende muss sich die verschiedenen möglichen Geometrien im Bewusstsein halten, die sich durch unterschiedliche Gebäudeformen, -bauweisen und nicht zuletzt deren Entstehungsgeschichten ergeben.

Doppelhaushälfte
Abb. Bild 3: - Doppelhaushälfte

Auf Abb. Bild 3 ist eine typische Doppelhaushälfte im Zustand nach dem Abbruch dargestellt. Da die gemeinsame Brandwand bei Errichtung des Gebäudes keine Außenwand darstellte, gab es zu diesem Zeitpunkt auch keine Notwendigkeit des Einbaues von Deckenankern. Lediglich zwischen dem Giebeldreieck und einer der beiden Dachkonstruktionen können Anker vorhanden sein. Dies rührt daher, dass der Giebel oftmals erst nach Errichtung eines der beiden Dachstühle aufgemauert und mit diesem vorübergehend verankert wurde. Sollten sich diese Anker auf der Abbruchseite befinden, darf nicht versäumt werden, sie vorab zu trennen.

Doppelhaushälften wurden gemeinsam geplant und gebaut, so dass die gemeinsame Brandwand in der Regel beidseitig mit den Gebäudelängswänden im Verbund gemauert ist. Dennoch ist der Mauerwerksverbund zu kontrollieren, da es nicht selten vorkam, dass z. B. bedingt durch zwei verschiedene Bauherrschaften eines der Gebäudehälften mit zeitlichem Versatz errichtet wurde.

Kommunwand – Abbruchhaus niedriger
Abb. Bild 4: Kommunwand – Abbruchhaus niedriger

Auch bei der Errichtung eines höheren Gebäudes neben einem bereits bestehenden war die Nutzung der vorhandenen Giebelwand kein Tabu. Im unteren Teil sind die Längswände stumpf angesetzt, während der obere Giebelwandteil auf den Nachbargiebel aufgesetzt wurde. Damit ist dieser Teil mit den Längswänden des Neubaues verzahnt und als freistehender Außenwandteil auch mit der Dachkonstruktion verankert. Mit Abbruch des kleineren Gebäudes verliert dessen Giebelwandteil seine Aussteifung und ist deshalb vorab am verbleibenden Haus zu verankern.

Kommunwand – Abbruchhaus schmaler
Abb. Bild 5: Kommunwand – Abbruchhaus schmaler

Ähnliche Verhältnisse ergeben sich, wenn ein tieferes Gebäude unter Verwendung einer vorhandenen Nachbargiebelwand errichtet wird. Auch hier sind vorab bzw. abbruchbegleitend Sicherungsmaßnahmen erforderlich.

Kommunwand – Abbruchhaus war stumpf angesetzt.
Abb. Bild 6: Kommunwand – Abbruchhaus war stumpf angesetzt.

Dieser Fall erleichtert den Abbruch, weil das Abrisshaus keinen Mauerwerksverbund zum Nachbargebäude besitzt und üblicherweise auch nicht mit diesem verankert ist. Dieser Umstand ist im Zuge der Trennarbeiten zu überprüfen. Großes Augenmerk ist auf Umbauten zu legen, da diese zum Verlust ehemals vorhandener Verankerungen geführt haben kann.

Die Untersuchung der Wandzugehörigkeit lässt sich am einfachsten im Abbruchhaus beginnen. Mit Blick auf die oben genannten Überbauungsvarianten ist an den relevanten Stellen der Mauerwerksverbund zwischen Giebelwand und Außenlängswänden freizulegen. Wird dabei ein regelmäßiger Eckverband festgestellt, kann davon ausgegangen werden, dass die Wandteile gemeinsam errichtet wurden. Ein weiteres Indiz sind vorhandene Verankerungen. Diese sind am einfachsten an Pfetten und Stuhlsäulen zugänglich. Sollte festgestellt werden, dass die gemeinsame Giebelwand bautechnisch dem Abbruchgebäude zugeordnet werden muss, sind in jedem Fall Sicherungsmaßnahmen notwendig. Zur Festlegung des Sicherungsumfanges ist das verbleibende Gebäude näher in Augenschein zu nehmen. Bei nichttragenden Außenwänden, wie sie Giebelwände in der Regel darstellen, wird die erforderliche Aussteifung durch Verankerung mit den Geschossdecken und den entsprechenden Mauerwerksverbund zu den Querwänden erreicht. Ist eine dauerhafte Anbindung der Giebelwand an das Nachbargebäude erforderlich, sollte die vorhandene Bausubstanz dieser Decken und Wände näher betrachtet werden. Dabei ist auch darauf zu achten, ob Bauteile des bleibenden Gebäudes horizontale Lasten auf die Giebelwand abgeben. Dies kann beispielsweise bei Gewölbedecken oder durch einen großen Mittelwandgurtbogen als Durchgang zum Treppenhaus der Fall sein. Da sich diese Bauteile gegen entsprechende Wände oder Decken des Abbruchgebäudes abstützen konnten, ist hiefür entsprechender Ersatz zu schaffen.

Erwähnenswert sind an dieser Stelle Kriegsschäden an Gebäuden. Durch teilweise Zerstörung mit anschließendem Wiederaufbau können schwer durchschaubare Vermischungen der Zugehörigkeiten entstanden sein. An diesen Gebäuden ist ein erhöhter Untersuchungsaufwand erforderlich.

Der Autor hat in der Reihenfolge bewusst die Untersuchungen am Bestand zeitlich vor die Einsichtnahme der Bestandsakten gestellt. Als Untersuchender ist man geneigt, die aus den Plänen herausgelesene Zuordnung am Gebäude bestätigt sehen zu wollen. Dies verstellt oftmals den Blick für grundlegende Abweichungen zwischen geplanter und stattgefundener Bebauungsreihenfolge. Grundsätzlich sollte beides erfolgen, denn auch Abweichungen sind Informationen und können mit einer gezielten Nachuntersuchung zur Gewissheit über die bautechnische Wandzugehörigkeit an der Abbruchkante führen, die die Grundlage für das Sicherungskonzeptes bildet.

Weitere Informationen in unserem Prospekt zum downloaden [PDF 1,1MB].

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